Unser Leitbild in sechs Sätzen
Ein Leitbild kann nicht in einen paar Sätzen erklärt und mit Leben gefüllt werden. Deshalb stellen wir es in den Mittelpunkt unserer sechs Blickpunkt-Ausgaben in diesem Jahr. Im ANgeDACHT werden wir jeweils einen der sechs Leitbildsätze in seinen Deutungsmöglichkeiten entfalten.
#1 Leitbildsatz:
Wir sind stark für Menschen. Wir sind stark im Können.
Erste Annäherung: Lebenserinnerung
In meiner Grundschulzeit gab es einen Jungen, der hieß Frank. Frank R. .Er war groß, ich war klein. Er hatte mächtige Muskeln. Ich war ein Kümmerling. Sein Kopf? - Ein wenig träge. Komplizierte Satzkonstruktionen waren sein Ding nicht. Das kleine 1x1 war fast schon eine Nummer zu groß für ihn. Und überhaupt gestalteten sich Rechen-Ergebnisse und Denkaufgaben als tendenziell zähe Angelegenheit. Da war ich eher Richtung „Blitzbirne“ unterwegs. Wir liebten uns innig. Wir gewannen im Freibad jeden Pferdewettkampf. Er war ein Schutzwall. Seine Kraft war meine. Meine Gedanken seine. Wir waren Asterix und Obelix.
Liebe Lesende, was sind Ihre Lebenserinnerungen, die zu den zwei Sätzen einfallen?
Zweite Annäherung: was ist eigentlich „stark“?
Der Begriff „stark“ beschreibt, dass etwas viel Kraft besitzt, über genügend Kräfte verfügt oder von viel Kraft zeugt. Stark können darum genauso Muskeln sein, Denkvermögen, handwerkliche Fähigkeiten, wie auch das beharrliche Verfolgen einer Sache, die zu einem guten Ergebnis geführt wird, oder wie ich bestimmte Charaktereigenschaften einschätze. In all diesen Fällen kann ich sagen: „Das ist stark!“ (Diese drei Wörter können herrlich verschieden ausgesprochen werden…)
Stark ist für mich Hilfsbereitschaft. Sich für andere einsetzen. Wissen, was man warum tut und warum nicht. Die eigenen Rechte und die anderer kennen und wahrnehmen. Raum zum Leben öffnen. Ein Ziel haben. Rückgrat. Offenbleiben. Trotzdem seine Fixsterne nicht verlieren. Meine heißen Liebe, Glaube, Familie.
Was ist stark für Sie?
Dritte Annäherung: Wir sind stark für Menschen. Wir sind stark im Können.
Im Wörtchen „Wir“ entdecke ich verschiedene Akteure: „Wir“ sind die vielen Mitarbeitenden. Im „wir“ steckt auch die Organisation, also unser Diakonisches Werk als Ganzes. Dieses Wir macht sich stark für Menschen: Einerseits sind das die über 3.000 Menschen, die ein Recht auf Unterstützung, Begleitung und Hilfe haben und mit denen wir leben und arbeiten. Andererseits sind das die inzwischen mehr als 1.750 Mitarbeitenden.
Sich für Menschen stark zu machen und von Menschen als stark wahrgenommen zu werden, hat mit Können zu tun. Fachlichkeit qualifiziert unser Können. Sie muss stimmen. Unser Diakonisches Werk bietet Fachlichkeit in über 40 Berufsgruppen: beim Rechnen, beim Gestalten, beim Bearbeiten. Fachlichkeit in der Pflege, in der pädagogischen Betreuung, an der Werkbank. Im Gespräch. Im Entwickeln von Hilfeplänen. In emotionaler und professioneller Nähe.
Verlässlich stark für andere zu sein, kann ganz schön erschöpfen. Es tut gut, das nicht allein zu wollen, sondern als „wir“. Zugleich ist es wichtig, eigene Kraftquellen zu kennen, die dafür sorgen, dass ich nicht leer laufe und alle bin. Eine gute Schulung, gelingende Arbeit im Team, das Lachen einer Klientin, eine stabile Beziehung daheim, gelebter Glaube: Es gibt sie, die Quellen innerhalb und außerhalb meiner Arbeit, um Stärke zu bewahren und Schwachheit aufzuhelfen.
Gott sagt: Die auf mich vertrauen, bekommen neue Kraft, dass Sie auffahren wie Adler; sie werden nicht müde.

