Unser Leitbild in sechs Sätzen
Ein Leitbild kann nicht in einen paar Sätzen erklärt und mit Leben gefüllt werden. Deshalb stellen wir es in den Mittelpunkt unserer sechs Blickpunkt-Ausgaben in diesem Jahr. Im ANgeDACHT werden wir jeweils einen der sechs Leitbildsätze in seinen Deutungsmöglichkeiten entfalten.
#3 Leitbildsatz
Integrität, Transparenz und Respekt bestimmen unser Handeln.
Erste Annäherung (Lebenserinnerung)
Als dieser Lehrer den Klassenraum betrat, wussten wir, dass sich einiges ändern würde. Er hatte Aura. Und so kam es auch. Die Noten sanken im Schnitt um 1 bis 1,5. Aus jahrelang gewöhnten 1en wurde eine 2 bis 3+, aus 3 wurde 4, und die mit 4 waren plötzlich im blauen Bereich. Unser Entsetzen war groß. So hatten wir uns den Wechsel von Geschichte in Geschichte Leistung nicht vorgestellt.
Er fragte uns, was wir denn erwarten. Bei Lehrerwechseln wären die früheren Noten doch nicht über einen Bestellzettel zu wahren…
Er sagte uns, was wir von ihm erwarten könnten: Noten von 1 bis 6 hätten nur dann Sinn, wenn sie genutzt werden und nicht irgendwann alles bei 1 oder 2 landet. Dass eine 3 bei ihm eine aufrichtig befriedigende (in dem Sinne: gute) Note sei, eine 6 nur bei absoluter Leistungsverweigerung und totaler Unkenntnis möglich wäre und eine 1 einfach herausragend überdurchschnittlich sei und keine pädagogische Notwendigkeit für unser Selbstbewusstsein. Eine 1 bliebe bei ihm Ausnahme, wer wolle ihm widersprechen? – keiner. Allen, die von 4 auf 5 gerutscht waren, versprach er Unterstützung, weil versetzungs- und abitur-zulassungswichtig. Allen anderen auch immer dann, wenn ihre Ziele realistisch seien. Wir haben geackert. Über wenige Schul-Noten war ich so stolz wie auf die bei ihm im schriftlichen und mündlichen. Er hielt Wort.
Liebe Lesende, was sind Ihre Lebenserinnerungen, die zu dem Satz einfallen?
Zweite Annäherung (was ist eigentlich „bestimmen unser Handeln“?)
Die Bestimmer, das sind die, die bestimmen. Und wir, wir sind die, die das dann machen müssen. Bestimmer können lebensnotwendig sein. Wie z.B.: Luft holen durch Atmen. Durst stillen wollen mit Wasser. Essen gegen Hunger und für Kraft.
Andere Bestimmer haben wir alle schon mal erfahren und sicher nicht so recht gemocht: z.B. die Gruppe mit Anführer, die auf dem Spielplatz immer das Sagen haben wollte, um zu bestimmen, was gespielt wird und wer da mitmachen darf und wer nicht. Erstes Wahrnehmen von Gruppenzwang und Ausgrenzung, erstes Üben im Widerstand oder einfach auch mal Abhauen.
Eine dritte Sparte von Bestimmern sind dann solche, die sich ein Diakonisches Werk selber aktiv zum Maßstab setzt, damit sie wirksam sind. Solche Bestimmer landen dann zum Beispiel als Handlungsanleitung im QM-Handbuch. In der Leitbildentwicklung wurde gemeinsam bestimmt, dass Integrität, Transparenz und Respekt unser Handeln als Mitarbeitende des Werkes bestimmen.
Was bestimmt ihr Handeln?
Dritte Annäherung: Integrität, Transparenz und Respekt bestimmen unser Handeln.
Integrität kommt aus dem lateinischen. Neben Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit beschreibt es auch eine Person, die nach festen Werten handelt und sich selbst treu bleibt. Eine solche Person handelt für andere nachvollziehbar und durchschaubar; handelt dabei unter Achtung und Wertschätzung der Interessen ihres Gegenübers. Das ist sehr anspruchsvoll. Weil Ehrlichkeit und Nachvollziehbarkeit in unserem Handeln als Mitarbeitende ja nicht bedeuten, allen alles zu sagen, geschweige denn sagen zu dürfen. Andererseits aber sehr wohl auch zu sagen, was gerade warum Sache ist und was nicht. Und das bei allem Respekt. In allem Respekt.
Ich gehe nicht davon aus, dass solches immer gelingt. Und Fehler dürfen geschehen. Aber der Anspruch bleibt: So zu handeln und so behandelt zu werden.
Solches „Werks-Handeln“ ist eingebettet in ein universelles Prinzip. In der Bibel sagt Jesus: Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch. (Lukas 6,31)

