Dannwann, und immer kursiv
Sein Name klingt italienisch, aber dem ist nicht so. Er ist Schwede. Inzwischen ist er sogar ein ziemlich alter Schwede, dieser Barbarotti. Ich schätze ihn auf Anfang, Mitte sechzig. Ihm ist die Welt nicht egal. Seine Kolleginnen und Kollegen sind ihm lieb. Ja, er ist ein ziemlich achtsamer Gesell, bisweilen auch flusig und schrullig. Melancholie kann er ganz gut. Aber was ich am meisten an ihm schätze, ist, dass er ganz selbstverständlich Kontakt zu Gott sucht. Um mit ihm Zwiesprache zu halten. Nicht immer bekommt er dann eine Antwort zu hören, so gebannt und konzentriert dieser ältere Schwede auch schweigt und hört. Manchmal ist da kein Echo auf Barbarottis Worte, die zum Himmel steigen. Barbarotti versteht das gut. Sein Gott muss für ihn nicht springen, bloß weil er ihn ruft. Gott muss sich auch um anderes kümmern, so wichtig nimmt Barbarotti sich nicht.
Aber dann und wann, dannwann sozusagen –– reagiert Gott auch mit Worten. Gott antwortet gerne leise, heiter und mit einem kleinen Lächeln, jedenfalls gütig und oft auch sehr klar. Und immer in kursiv. Da kann man sich als Leser kaum vertun, weil: Kursiv = Gott.
Sich Zeit für Gott nehmen. Ganz bewusst genau Gott dann bei Namen nennen und bei Namen nehmen, weil ich ein Anliegen habe. Eine Stimmung. Eine Sorge, eine Hoffnung, einen Dank: Weil Krieg ist im Großen wegen Völkerrechtsverbrechern, die es an die Macht geschafft haben. Weil Krieg ist im Kleinen in der Beziehung. Weil ich an meine Familie denke und meine Arbeit. Weil beide mich so glücklich machen. Weil ich so viel sehe und auch einmal gesehen werden will. Weil ich mir sicher bin, dass Gott den Himmel, die Meere, den Blauschwanzkakadu, das Wüstenmäuschen, die Klapperschlange und das rheinische Nieselgrauwetter gemacht hat, aber nicht den Krieg, die Sklaverei, das Auslutschen unserer Ressourcen.
Und Gott antwortet genau dannwann, da bin ich gewiss.
Behalten wir das Wissen und die Freude, in einem der reichsten, sozialsten, freiesten und am besten funktionierenden Länder dieser Erde mit unseren Lieben leben zu dürfen. Behalten wir Mut und leidenschaftliche Liebe. Kümmern wir uns, so gut wir können, und lassen das Klagen denen, die mehr Grund dazu haben (also vielleicht auch Du oder Sie).
Und hören die beglückende Botschaft, dass Gott schon für uns da war und geboren wurde, als wir zwar schon ein Gedanke Gottes, aber sicher noch keine Idee unserer Eltern waren. Denn jetzt ist dannwann.
Siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die uns widerfahren ist. Denn uns ist heute ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt: Gott-Held, Wunder-Rat, Ewig-Vater, Friede-Fürst.

