Was für eine Eselei
„Kind, was hat dich denn da geritten?“, wurde ich gefragt. In solchen Momenten wusste ich: o.k., was Du da gerade gemacht hast, wird vom Ergebnis her nicht ganz so klasse bewertet. Anders wäre besser gewesen, hat aber nicht nur mit einem selbst zu tun, was logisch ist: wer geritten wird, ist, zumindest in Teilen, fremdgesteuert. Es gelten also mildernde Umstände. Das war erleichternd, auch wenn mir nicht richtig klar war, wer oder was mich denn überhaupt geritten haben könnte …
Ob sich der Esel in Jerusalem vor gut 2000 Jahren gefragt hat, wer ihn denn da gerade so reitet? Es ist einer, der die Massen auf die Gassen der Stadt bringt, die ihm lauthals ein Lied singt, mit Strophen der Hoffnung auf Leben. Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna. Was hebräisch ist und bedeutet: Gott, sei uns gnädig.
Gott ist gnädig. Denn er reitet auf einem Esel und nicht auf einem Pferd. Pferde stehen für Kriege. Pferde galoppieren, rennen sich die Lunge aus dem Leib, ackern, bis sie zusammenbrechen. Ein Esel steht für Frieden. Mit Eseln kannst Du keinen Krieg gewinnen. Die würden einfach störrisch stehen bleiben, da machen die nicht mit. Gott reitet auf einem Esel ein. Damit gewinnst Du keinen Krieg, aber die Herzen der Menschen. Menschen, die auf Frieden hoffen. Bis heute. In Jerusalem, in der Ukraine, hier bei uns.
Nicht den Tod bringen, sondern durch den Tod in ein neues Leben gehen. Frieden finden. Frieden der Welt, Frieden Deiner Seele. Genau dafür kämpfen.
Es ist ein Wunder, das Dich berühren und mit Hoffnung füllen möchte.
Der Esel damals hat sich von Gott reiten lassen. Die Zeichnung jedes Eselfells erzählt uns bis heute davon.
Und ich? Damals als Kind? Und heute als schon ziemlich Erwachsener? Luther hat mal gesagt: Wir alle sind Esel, das ist gewiss. Aber wir können uns entscheiden, ob wir uns vom Teufel reiten lassen oder von Gott.
Frohe Ostern, Ihr Karl Hesse

