In einem anderen Licht sehen
In meiner alten Heimatstadt Mönchengladbach werden zu Allerheiligen der große Hauptfriedhof und Teile des Bunten Gartens für eine Nacht in Licht getaucht.
Das erstreckt sich von rauchenden Feuerschalen, die die Hauptwege markieren, über Grablichter und LED-Scheinwerfer bis hin zu Laserspektakel. Tausende machen sich auf den Weg und stehen, stutzen, staunen. Die Stimmung ist leise. Andächtig. Gelassenheit und Heiterkeit sind auch dabei.
„Klingt komisch“, könnten Menschen denken, die nicht dabei waren. „Ist aber so.“ denken die, die dabei waren. Wir laufen an Gräbern lieber Bekannter vorbei. Bei den großen Feldern gefallener Soldaten ist jedes einzelne Leben mit einem Lebenslicht gewürdigt. Zwischen sie - hinein gelasert - eine Friedenstaube mit Ölzweig im Schnabel: Gott verheißt einen neuen Himmel und eine neue Erde. Dann wird die Gier und der Mord ein Ende haben. Keine Tränen mehr, nur die der Freude. Kein Geschrei mehr, nur das voller Fröhlichkeit.
Unsere Leben, so endlich. Wofür leben wir? Wofür sind wir bereit, zu sterben, und warum und woran sterben wir dann tatsächlich? Wissen wir das? Wollen wir es wissen?
Die Nacht lädt ein, mein Leben und die Welt in anderem Licht zu sehen. „Bei Licht betrachtet…“ beginnt der Volksmund, um dann etwas ganz nüchtern und rational richtig zu stellen. „In diesem Licht betrachtet…“ sagt der Volksmund, um dann etwas mit einer neuen Deutung zu versehen. „Ich bin das Licht der Welt,“ bietet sich Jesus an, „wer mir angehört, wird nicht mehr wandeln in der Finsternis.“
Sehe ich mich in einem anderen Licht, stehe ich in seinem anderen Licht. Licht tut gut. Licht ist Leben. Sein Licht macht mich gelassen und heiter. Gerade in grauen Tagen, die dazu einladen, einmal innezuhalten und nachzudenken über meinen Sinn von Leben.







