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ANgeDACHT

Unser Leitbild in sechs Sätzen

Ein Leitbild kann nicht in einen paar Sätzen erklärt und mit Leben gefüllt werden. Deshalb stellen wir es in den Mittelpunkt unserer sechs Blickpunkt-Ausgaben in diesem Jahr. Im ANgeDACHT werden wir jeweils einen der sechs Leitbildsätze in seinen Deutungsmöglichkeiten entfalten.

#4 Leitbildsatz

Unseren Partnern stehen wir mit Wertschätzung und Kompetenz verlässlich zur Seite.

Erste Annäherung (Lebenserinnerung)

Um den Raum vor der Kirche zu einem „Platz der Begegnung“ umgestalten zu können, brauchten wir richtig viel Geld. Im Familiengottesdienst zu Erntedank durften darum alle, die wollten, so viele 5 €-Scheine mitnehmen, wie sie wollten. Auftrag und Challenge war lediglich, in Erinnerung an das biblische Gleichnis vom Einsatz der Talente (eine damalige Gewichts- und Währungseinheit für Gold und Silber) dieses Geld möglichst so einzusetzen, dass man es bis zum Familiengottesdienst am 1. Advent „vermehrt“ habe. Der Run war groß. Und unsere 7-jährige Tochter war eine der ersten, die sich zwei Scheine ergatterte. In ihren Augen ein Vermögen!!! Allein – was damit tun? Wie das Geld mehren und damit die Refinanzierung eines Vorhabens ermöglichen, das allen gut tut, weil: barrierefrei mit Spiel- und beschatteter Quatsch- und Verweilmöglichkeit? Sie wandte sich an ihre Patentante. Zusammen überlegten sie, wer was gut kann. Basierend auf den handwerklichen Fähigkeiten der Patentante und den Kompetenzen des Patenkindes – Reden, Fußballspielen, und als Kapitänin vielen Menschen im Verein bekannt sein – wurde das Geschäftsmodell entwickelt. Rosa Häkelgarn, schwarze Wolle, Stopfmaterial für 10 € wurden gekauft. Daraus produzierte die Patentante jede Menge Glücksschweine. Die vielen Glücksschweine brachte dann das Patenkind für jeweils 5 € unters Volk.

Liebe Lesende, was sind Ihre Lebenserinnerungen, die Ihnen zu diesem Satz einfallen?

Zweite Annäherung (was sind eigentlich Partner?)

Das Wort Partner ist erst seit im 19. Jahrhundert vom Englischen (partner) ins Deutsche übernommen worden. Partner geht auf das mittelenglische parcener („Teilhaber“) zurück. Dieses leitet sich vom lateinischen partitio („Teilung, Anteil“) ab. Die wörtliche Übersetzung bedeutet „jemand, der einen Teil teilt“.
Im Jahr 1814 war es der nicht ganz unbekannte Mann namens Goethe, der das Wort Partner aus dem Englischen fürs Deutsche übernahm. Ursprünglich waren mit Partner Mitspieler oder Tanzgefährten gemeint. Später erfuhr der Begriff eine doppelte Umdeutung: in der Kaufmannssprache sind Partner Personen oder Institutionen, die als Geschäftspartner gemeinsam ein Ziel verfolgen; im Privaten ist ein Partner bzw. eine Partnerin einer von zwei Menschen, die eine feste Beziehung führen. Gemeinsam sind sie Lebenspartner.

Wer sind Ihre Partner im beruflichen?

Dritte Annäherung: Unseren Partnern stehen wir mit Wertschätzung und Kompetenz verlässlich zur Seite.

Die dritte Annäherung zum vierten Leitbildsatz beginnt mit einer Erinnerung an die ersten drei der insgesamt sechs Leitbildsätze. Aufbauend auf unserer Vision und Mission beschreiben sie als Gesamtheit, wofür das Diakonische Werk und seine Mitarbeitenden stehen und was unser tägliches Handeln prägt. Die Sätze wollen unsere tägliche Arbeit orientieren und machen deutlich, welche Werte uns im Miteinander und im Umgang mit den Menschen, die wir begleiten, wichtig sind. Den ersten Leitsatz kann ich wie eine Überschrift des „Unterkapitels Leitbildsätze“ verstehen: er tituliert, worin wir stark sein wollen – für Menschen und in unserem Können. Die nächsten zwei Leitsätze entfalten dann, was wir nutzen und brauchen, um diese titulierte Stärke tatsächlich mit Leben füllen zu können: Nachhaltigkeit, Innovationsfreude, wirtschaftliches Handeln, Verantwortungsbewusstsein, Integrität, Transparenz, Respekt. 

Mit dem vierten Leitbildsatz erfolgt ein Perspektivwechsel. Haben die ersten drei Leitbildsätze die Mitarbeitenden und unser Werk als Handelnde im Blick, richtet der vierte Leitbildsatz seinen Blick auf ein jeweiliges Gegenüber. Dieses Gegenüber wird als Partner qualifiziert. Das passt. Um Ziele erreichen zu können, braucht man Partner. Und die können sehr verschieden sein:
Im System unseres Sozialstaats z.B. hat uns der Staat zu Partnern gemacht: wir erfüllen staatlichen Auftrag mit unseren Angeboten in der Seniorenhilfe, der Kinder- und Jugendhilfe, bei Arbeit und Bildung, in den Werkstätten und dem Wohnverbund. Wir setzen um, was gutes Recht von Menschen unseres Landes ist und in den Sozialgesetzbüchern formuliert und beschlossen wurde. Im System der Bottroper Werkstätten zum Beispiel sind dann aber auch Firmen Partner mit ihrer Möglichkeit für Außenarbeitsplätze. Innerhalb des Werkes sind unsere Geschäftsbereiche Partner, wenn z.B. die Arbeit und Bildung Räume für die Tagesstruktur im Heinrich-Theißen-Haus in Bottrop renoviert oder Seminare und Feierlichkeiten mit Catering bestens versorgt.

Partner müssen sich aufeinander verlassen können. Partner wissen, was sie aneinander haben. Wer was kann und wer was macht, um gemeinsam zum Ziel zu kommen. Wie man sich bespricht und verabredet. Im beruflichen ist es da wie im privaten: Es bringt auf die Dauer gar nichts, Partnerschaften auszunutzen, auszulutschen, immer so zu biegen, dass ich mir den größten Happen schnappen kann. Darüber drohe ich zu vergessen, selbst nicht vollständig, sondern nur ein Teil vom großen Ganzen zu sein. Als Mensch brauche ich Menschen. Als Organisation brauchen wir Menschen. Als Gesellschaft und Staat brauchen wir Menschen, die anders ticken und anderes können als wir selbst. Nur dann ist nachhaltiges Leben möglich. Mir gefällt, dass Partner ursprünglich etwas mit Tanzen zu tun hat. Im Tanz geht es um das gemeinsame Einschwingen, den Rhythmus, besprochene Schrittfolgen, das Achten darauf, sich nicht auf die Füße zu treten und wenn doch, es so lange zu üben, bis das nicht mehr der Normalfall ist. Sondern eine nicht beabsichtigte Ausnahme.

In der Bibel sagt Jesus: Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, so tut ihnen auch. (Lukas 6,31)

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